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Wasser, Gas und Strom in Tornesch 1900 - 1945

Bild

(vom 22.11.2019)

Wer um 1910 aus der Großstadt Hamburg ins Umland fuhr, konnte deutlich den Unterschied zwischen Stadt und Land spüren. Doch bereits zwischen Uetersen und Tornesch gab es große Unterschiede.

Bis Ende des 2. Weltkriegs gab es für viele Haushalte in Tornesch noch keine zentrale Wasserversorgung. Schwengelpumpen - wie hier in einem Garten - waren weitverbreitet. Bildquelle: Adobe #163007158, KariDesign

Die Entwicklung der Gas- und Stromversorgung lief in Tornesch ungewöhnlich. Weil Gasanstalten von der Zulieferung von Kohle, und daher in der Regel von der Eisenbahn, abhängig waren, entstand eine Gasbeleuchtung meist mit einer Bahnlinie und zeitlich vor der elektrischen Beleuchtung. In Tornesch verlief die Geschichte allerdings anders.

Gas und Strom kommen gleichzeitig nach Tornesch

In Uetersen gab es - für eine ländliche Gemeinde sehr früh - bereits seit 1857 ein Gaswerk, das sowohl eine öffentliche Straßenbeleuchtung als auch Gas für Privathaushalte zur Verfügung stellte. Im damaligen Ortsteil Tornesch dagegen wurde erst 1906 ein kleiner Teil durch das Uetersener Gaswerk beliefert. Zeitgleich hatte der Unternehmer Johann Staack die Genehmigung erhalten, Privathaushalte mit Strom zu versorgen. Zwar konnte der Unternehmer fünf Jahre später bereits 1.400 Lampen zählen, doch die meisten Häuser nutzten bis dahin hauptsächlich Petroleumlampen zur Beleuchtung. Auch wenn es bereits vereinzelt Gasanschlüsse gab, wurde mehrheitlich Kohle zum Heizen und Kochen verwendet.

1926 kam es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu einer Erweiterung des Gasnetzes in Tornesch durch die Stadt Uetersen. Fünf Jahre später gab die Stadt Uetersen die eigene Gaserzeugung auf. Uetersen und Tornesch wurden fortan durch eine Ferngasleitung der Hamburger Gaswerke versorgt. 1934 wurde schließlich das Gasnetz bis zum Ortsteil Esingen verlängert, doch Ahrenlohe blieb weiterhin ohne Gas.

Brunnen, Plumpsklo und Abwassergräben

Wasser kam in der Regel aus hauseigenen oder öffentlichen Brunnen oder wurde mit Schwengelpumpen gefördert. In jedem Fall musste das Wasser bei jeder Witterung von außerhalb des Hauses mit einem Wassereimer geholt werden. Das hatte zur Folge, dass Wasser sparsam verwendet wurde. Statt eines bequemen Wasserklos im Haus, musste ein Plumpsklo außerhalb des Wohngebäudes aufgesucht werden. Auch auf eine Kanalisation musste Tornesch noch bis in die 1950er Jahre warten. Bis dahin wurde das Schmutzwasser aus Privathaushalten, Landwirtschaft und Industrie in offenen Gräben abgeführt, die zunächst dem Ohrtbrookgraben zugeführt wurden, um dann in der Pinnau zu landen. Nur die Friedrichstraße im Zentrum von Tornesch war vor Ende des 2. Weltkriegs bereits verrohrt.

Die zentrale Wasserversorgung - für viele noch ein Traum

1925 ließ die Stadt Uetersen ein Wasserwerk mit Wasserturm bauen. Die Anlage war groß genug, um das benachbarte Tornesch mit zu versorgen. 1926 fasste die Esinger Gemeindevertretung den Beschluss, Wasser von Uetersen zu beziehen. Da die Kosten recht hoch waren, wurde der ursprüngliche Plan, die Wasserleitungen bis zum Sägewerk Hülsemann in Esingen und nach Ahrenlohe auszubauen, aufgegeben. Nunmehr wurde zunächst der Ortsteil Tornesch und die Esinger Schule mit Wasser versorgt.


 Wer konnte sich eine eigene "Zapfstelle" leisten?

Der eigene Wasseranschluss stellte einen gewissen Luxus dar. Denn die Kosten für die Einrichtung einer Zapfstelle - das beinhaltete Zu- und Ableitungen - betrug für den Privathaushalt um 1926 rund 50 Reichsmark. Im Vergleich dazu betrug der monatliche Durchschnittslohn eines Arbeiters etwa 140 RM. Die laufenden monatlichen Kosten betrugen für die erste Zapfstelle 2,50 RM, für die zweite 1 RM und für jede weitere waren 50 Pfennig zu zahlen. Während Privathaushalte pro Zapfstelle zahlten, mussten Betriebe und Landwirte sich einen Wasserzähler einbauen lassen und zahlten nach Menge. Die Einrichtung der zentralen Wasserversorgung fiel in eine Zeit wirtschaftlicher Not. Allein von den 625 Esinger Haushalten waren 100 Personen erwerbslos, so dass sich bei weitem nicht jeder eine eigene Zapfstelle leisten konnte.

Auch in begüterteren Haushalten wurde angesichts der Kosten das Wasser noch sparsam verwendet. So gab es so gut wie keine Wasserklosetts. Eine Badewanne, wie wir sie heute kennen, war städtischer Luxus. Die Zinkbadewanne in der Küche, die umständlich mit Eimern aus dem Brunnen oder der etwas näher gelegenen Zapfstelle und kochendem Wasser vom Herd aufgefüllt wurde, zählte noch viele Jahre zum typischen Bild in Tornescher Haushalten. Kein Wunder, dass das samstägliche Baden der Familienmitglieder hintereinander im gleichen Badewasser geschah.


 

1927 wurde durch die Stadt Uetersen auf eigene Kosten mit dem Bau der Versorgungsleitungen begonnen. Unterstützung bekam die Anlage einer zentralen Wasserversorgung durch den Tornescher Arzt Dr. Witthöft, der 1926 auf einer durch Bürger- sowie Haus- und Grundeigentümerverein einberufenen Sitzung aus hygienischen Gründen für Trinkwasserleitungen eintrat. Das gängige Brunnenwasser sei in der Regel zu moorig und eisenhaltig. Durch den Überlauf nach Regenfällen würden außerdem Parasiten und Bazillen in die Brunnenanlagen geraten. Er machte deutlich, dass die in der Gemeinde auffällig stark verbreiteten Wurmkrankheiten auf das schlechte Wasser zurückzuführen seien.

So kam es, dass Tornesch den Argumenten des Arztes folgte und begann, eine zentrale Wasserversorgung in Tornesch zu installieren. Bedingt durch die seit 1928 einsetzende Wirtschaftskrise wurde der Ausbau jedoch erst 1934 mit Hilfe des sogenannten Reinhardt-Programms fortgesetzt. Doch auch bis Ende des Zweiten Weltkriegs war noch nicht die gesamte Gemeinde an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen.

 

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