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E-Bikes heute: ausgereifte Technik mit finanziellen Anreizen

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(vom 03.12.2018)

Elmar Schawo ist Fahrradhändler mit Leib und Seele. Das liegt vielleicht daran, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Doch das allein hätte sicherlich nicht gereicht. Was ihn besonders bei E-Bikes und Pedelecs zu einem gefragten Experten macht, liegt an seiner ursprünglichen Berufsausbildung, die erst einmal nichts mit dem Rad zu tun hat.

Als ausgebildeter Energieanlagen-Elektroniker und EDV-Mensch hat Elmar Schawo gelernt, ganz­heitlich zu denken. Das heißt: passen die Einzelkomponenten zueinander, sind sie langlebig und auch über einen längeren Zeitraum austauschbar? Diese Grundüberlegungen bewahren den Fahrradhändler nicht nur vor Fehleinkäufen, sondern kommen auch den Kunden zugute.

Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten, wie sich der Markt für E-Bikes verändert hat, warum E-Bikes für Pendler attraktiv sein könnten, was mögliche Engpässe sind.

SWT: Das Fahrradhaus Schawo war im Kreis Pinneberg einer der ersten Anbieter von E-Bikes. Wie hat sich der Markt aus Ihrer Sicht bis heute verändert?

ES: Als wir um 2004 die ersten E-Bikes in den Laden stellten, haben uns die Mitbewerber belächelt. Das sei doch kein Markt, ein paar Räder für Rentner verkaufen zu wollen. Davon stimmte allerdings nur, dass es am Anfang hauptsächlich Senioren waren, die sich für E-Bikes erwärmen konnten. Und der Markt war insofern begrenzt, weil insbesondere die Akkuleistung Fahrten von maximal 40 Kilometern erlaubte. Heute können Sie, je nach Fahrstil, auch 200 Kilometer mit einer Akkuladung schaffen.

Die Motoren sind deutlich kräftiger und gleichzeitig leiser und die Räder leichter geworden. Wo in der Anfangszeit noch ein paar LED-Lämpchen gerade einmal den ungefähren Ladestand andeuteten, haben Sie heute Fahrradcomputer, auf denen Sie ihr aktuelles Tempo, die benötigte Fahrtzeit bis zum Ziel, den Ladezustand, die Reichweite und vieles mehr anzeigen lassen können. Reicht Ihnen das noch immer nicht, und Sie möchten spezielle Apps nutzen, können Sie stattdessen auch Ihr Smartphone montieren. Auch die Wartungsfreundlichkeit hat sich massiv verbessert.

Hatten die meisten Fahrräder noch Kettenantriebe, bei denen wegen der höheren Belastung die Kette nach etwa 1.500 Kilometern ausgetauscht werden musste, haben Sie heute Zahnriemen, die locker 30.000 Kilometer schaffen. Ohne Wartung.

Auch bei der Antriebstechnik hat sich viel getan. Man hat in den letzten zehn Jahren mit verschiedenen Motorkonzepten wie Vorder-, Hinterrad- und Mittelantrieben gearbeitet. Dabei hat sich der Mittelantrieb im Tretlager für die meisten Zwecke als der zuverlässigste herausgestellt. Über 90 % der verkauften Räder haben bei uns Mittelmotoren.

SWT: Bevor wir tiefer einsteigen: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen E-Bike und Pedelec?

ES: Im Grunde ist das, was wir umgangssprachlich E-Bike nennen, ein Pedelec, ein Fahrrad mit Motorunterstützung, das in Deutschland maximal 25 km fahren darf. Ein „richtiges“ E-Bike ist wie ein klassisches Mofa, eben nur mit Elektroantrieb statt Benzin. Man muss dabei nicht treten, darf bis 45 km fahren, ist versicherungspflichtig, hat ein entsprechendes Kennzeichen am Rad zu führen, muss Helm tragen und in der Regel die Straße nutzen. Aber umgangssprachlich sagen wir E-Bike, auch wenn wir eigentlich Pedelec meinen.

SWT: Wie hoch ist der Anteil an Fahrrädern mit Elektro-Antrieb an Ihren Fahrradverkäufen heute und wie verteilen sich Pedelecs und E-Bikes?

ES: Bei uns sind mittlerweile 60% der verkauften Räder solche mit Elektroantrieb. Die Zahl der wirklichen E-Bikes, also mit Versicherungspflicht, ist dabei verschwindend gering.

SWT: Gibt es einen typischen E-Bike-Käufer?

ES: Als wir 2004 angefangen haben, waren es hauptsächlich Senioren. Heute geht das quer durch die Gesellschaft: am einen Ende haben Sie Pendler, am anderen Ende an Elektromobilität interessierte Freizeitfahrer. Auch altersmäßig ist das E-Bike, also das Pedelec, ziemlich überall vertreten. Selbst junge Leute, die früher vielleicht ein klassisches Mofa gekauft hätten, interessieren sich dafür.

Allerdings gibt es da manchmal die gleichen Problematiken, die wir vom Mofa kannten: die Motoren werden gerne einmal getunt. Was viele nicht dabei bedenken: Ein Rad, das 25 km fahren darf, ist nicht für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt. Dabei ist die fehlende Bremskraft nur eins der Probleme.

SWT: Der Markt mit mehr als 100 Herstellern allein im Bereich E-Bikes ist für einen Laien kaum zu durchschauen. Wie haben Sie Ihre E-Bikes, die im Laden stehen, ausgesucht?

ES: Wir haben ja den Markt seit 2004 beobachtet und den einen oder anderen Anbieter kommen und gehen sehen. Wir setzen auf bekannte Marken, ausgereifte Motoren- und Akkutechnik. Wir schauen, ob die Materialien langlebig, die Einzelkomponenten zueinander passen und über einen längeren Zeitraum austausch- und ersetzbar sind.Elmar Schawo

Außerdem müssen die Räder und Ersatzteile schnell lieferbar sein. Wir brauchen ja als Händler eine breite Angebotspalette, zum Beispiel bei Antrieben und Farben. Da muss ich einem Kunden auch mal ein Rad in schwarz vorführen und bei Gefallen innerhalb kurzer Zeit in der Wunschfarbe nachliefern können. Diese Anforderungen – und noch ein paar mehr Kriterien – können längst nicht alle Anbieter erfüllen. Das heißt nicht, dass wir nichts Neues ausprobieren. Aber wir laufen nicht jeder neuen Mode hinterher.

SWT: Die Reichweiten der Akkus haben sich erheblich verbessert, könnte nicht ein Teil des Pendelverkehrs gerade aus Tornesch durch ein E-Bike ersetzt werden?

ES: Theoretisch schon. Das E-Bike an sich ist heute ausgereift und zuverlässig. Sie können Strecken von 10 oder 20 Kilometern mit dem Rad zur Arbeit fahren, ohne verschwitzt anzukommen. Mit Ladekapazitäten bis 200 Kilometer müssen Sie sich auch keine Gedanken darüber machen, ob der Akku bis Arbeitsende wieder aufgeladen ist. Gerade, wenn Sie die Pendleralternativen von Tornesch haben, entweder auf der Autobahn regelmäßig im Stau zu stehen oder verspätete und überfüllte Züge zu nutzen, wäre das durchaus attraktiv.

Mit der Möglichkeit, Fahrräder und E-Bikes als Diensträder zu leasen, haben Sie ja noch einen Anreiz mehr. Das ist für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen interessant. Obwohl das Dienstrad-Leasing seit 2012 gesetzlich verankert ist, hat es in der öffentlichen Wahrnehmung lange gebraucht. Aber wir haben hier in diesem Jahr einen geschätzten Zuwachs von 400%.

Der Flaschenhals im Kreis Pinneberg ist aber die fehlende Infrastruktur. So ist ja zum Beispiel der angedachte Radschnellweg seit Jahren nicht aus der Planungsphase herausgekommen. Auch die lokalen Radwege sind nicht immer eine Freude, wenn man die durch Baumwurzeln zu Huckelpisten gewordenen Wege nicht als sportliche Herausforderung versteht.

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